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Wein-News im August 2020 vom 29.08.2020
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Wein in der Coronazeit: Hat sich das Konsumverhalten geändert?

Die Pandemie brachte bei den meisten Menschen Veränderungen mit sich. Das Verhalten hat sich geändert, ausgehen war und ist teilweise immer noch nicht möglich, der Konsum orientiert sich regional und online. Nachdem eine Vielzahl von Bürgern nun das heimische Kochen für sich entdeckt hat, stellt sich die Frage, ob sich auch eine Auswirkung auf den Weingenuss eingestellt hat. Immerhin gehört das schöne Gläschen zu einem attraktiven Dinner. Dieser Artikel schaut sich das genauer an.


Bildquelle: @ Sven Wilhelm / Unsplash.com

Hat sich der Konsum verändert?

Schon zu Beginn der Coronakrise wurden Berichte laut, dass es einen erheblichen Anstieg bei Wein- und Alkoholverkäufen gab. Ein Überblick:

  • Weinverkauf - im März 2020 wurde im Vergleich zum Vorjahresmonat rund ein Drittel mehr Wein in Supermärkten verkauft.
  • Alkoholika - um dreißig Prozent stieg der Absatz von hochprozentigen Alkoholika wie Korn oder Gin an.
  • Bier - hier sankt der Konsum, beziehungsweise der Absatz. Da Bier als Getränk für gesellige Stunden betrachtet wird, war das zu erwarten.

Doch auch abseits von Alkohol und Wein veränderten sich die Konsumgewohnheiten. Das Selbstkochen stand gerade anfangs hoch im Kurs, was sich auch im Kaufverhalten äußerste:

  • Regional/saisonal – vermehrt wurden regionale Produkte gekauft. Mitunter lag das an den Lieferketten, doch auch an der Zeit, die viele Menschen hatten.
  • Haltbare Produkte – ein jeder kann sich noch gut an die leeren Regale im Supermarkt erinnern: Tütensuppen, Konserven aller Art, Mehl und Zucker wurden in Massen gekauft.
  • Essenslieferungen – die Zahl der Essensbestellungen ging ebenso nach oben. Allerdings stechen hier nicht ausschließlich die üblichen Verdächtigen hervor, sondern oft regionale Restaurants. Viele Menschen wollten die Gastronomie der direkten Umgebung unterstützen und nutzen deren Angebot, die Speisekarte »auf Rädern« zu erhalten.

Obwohl es in den Medien oft so dargestellt wurde, als würden die Deutschen in der Coronazeit vermehrt zu Wein und anderen Alkoholika greifen, so lässt sich diese These absolut nicht belegen. Es gilt:

  • Fehlende Restaurantbesuche – zu fast jedem Essen gehört Wein und schließlich ein anderer Absacker. Da die Restaurantbesuche ausfielen, ist es nur verständlich, dass das Drumherum zu Hause kreiert wurde.
  • Essensbestellungen – die meisten Gastronome durften zwar Essen außer Haus verkaufen, nicht aber Alkohol. Wer also bei seinem Stammrestaurant Essen bestellte, der musste den Wein anderweitig kaufen.
  • Verlagerung – in vielen Fällen wird der heimische Alkoholkonsum gestiegen sein, weil die anderweitigen Anlässe wegfielen: Familien- und Geschäftsfeiern, das wöchentliche Ausgehen, Fußballspiele. Ob nun im Endeffekt mehr oder sogar weniger getrunken wurde, lässt sich gar nicht berechnen.

Weinliebhabern dürften diese Überlegungen auch relativ egal sein. Immerhin kommt es auf das gute Glas am Abend oder zum Essen an, nicht aber darauf, wie eine Statistik ausschaut. In einer Beziehung haben Winzer gegenüber anderen Landwirten sogar noch Glück: Verbleibt der Wein ein Jahr länger im Keller, so wird er nicht schlechter.

Infografik über unser Essverhalten während der Corona-Krise
Für die ganze Infografik das Vorschaubild klicken (via www.bestonlinecasino.com)


Gibt es einen Einfluss auf den Weinanbau?

Es klingt auf den ersten Blick positiv, dass die Deutschen mehr Wein kauften. In der Tat hatten - und haben – Winzer europaweit aber mit Corona zu kämpfen:

  • Absagen – durch die Absagen sämtlicher großer Veranstaltungen verlieren Winzer allgemein Großabnehmer. Die Kiste mit 12 Flaschen aus dem Supermarkt kann dies nicht auffangen. In der Masse dürfte dies das größte Problem sein, vor allem weil diese Bestellungen regelmäßig und sicher eingeplant werden konnten.
  • Gastronomie – einer der Großabnehmer von Weinen ist die Gastronomie und das Hotelgewerbe. Auch hier stagniert die Abnahme dank Lockdown.
  • Tourismus – wird bedacht, dass auf einer siebentägigen Kreuzfahrt im Durchschnitt 5.000 Flaschen Wein geleert werden, wird die Bedeutung des Tourismus auf die Winzerlandschaft deutlich.

Doch auch der Wegfall kleiner Volksfeste dürfte gerade die kleineren Winzer hart treffen, da diese dort oft ihren Hauptmarkt finden. Welcher Einfluss allgemein auf den Weinanbau auftritt, hängt wohl von der Größe und finanziellen Lage des Weinguts ab. Die Struktur und der Bestand bleiben auch trotz Corona erhalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass kleinere Güter kurz vor dem Konkurs stehen. Sowohl in der Schweiz als auch in Österreich kämpfen einige Güter ums Überleben, auch aus Deutschland sind Berichte bekannt.
Wie wird der aktuelle Weinjahrgang in Deutschland?
Bezüglich der Weinlese muss das Thema Corona einen Platz auf dem Rücksitz einnehmen. Die Winzer kämpfen eher mit der Natur:

  • Frost – noch im späten Frühjahr kam es deutschlandweit zu kalten und frostigen Nächten. Einige Felder nahmen deutlichen Schaden. Es folgten ortsweise Unwetter mit starkem Hagel.
  • Dürre – während sie dieses Jahr nicht vollständig und dauerhaft deutschlandweit ausgeprägt war, so klagen dennoch ausreichend Winzer (und Landwirte) über zu wenig Regen. Hinzu kommt, dass der Grundwasserspiegel vielerorts seit langem zu niedrig ist.

Die Auswirkungen sind jedoch regional sehr unterschiedlich. In Hessen konnte die Weinlese in diesem Jahr zwei Wochen vor dem üblichen Zeitpunkt erfolgen. Trotzdem kämpft auch der Winzer rund um die Weinlese mit Corona, da aufgrund der Beschränkungen die Arbeiten komplizierter werden. Zugleich fehlen Einnahmen, die natürlich nun zu weniger Investitionen oder auch neuen Weinreben führen können.


Bild 2: Auch der Wein hat in der Krise an Beliebtheit gewonnen. Bildquelle: @ Lefteris Kallergis / Unsplash.com

Fazit - ein gutes Glas am Abendtisch

Wenngleich es in den Medien anders aussah, so veränderte sich bezüglich des Wein- und Alkoholkonsums eher der Ort des Verzehres. Aus dem Restaurant wurde der heimische Esstisch, aus der Abendveranstaltung das heimische Sofa. Doch auch der gestiegene Absatz in den Supermärkten ist für viele Winzer nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Großabnehmer fehlen den Gehöften und mit ihnen natürlich die sicheren und regelmäßigen Einnahmen. Dafür sieht es, je nach Region, aktuell ganz gut mit der Weinernte aus. Diese Aussage lässt sich allerdings nur regional tätigen, denn während Hessen gut dasteht, klagen Winzer entlang der Elbe über absolute Dürre und Trockenheit.

 

Achtung Hinweis!
Onlinecasinos sind erst für Spieler/Spielerinnen erlaubt, die mindestens 18 Jahre alt sind. Glücksspiel kann in Spielsucht enden. Weitere Infos und Hilfe finden Sie unter BZgA.



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