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Wein-News im Juni 2018 vom 07.06.2018
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Digitalisierung im Weinbau - Welche Entwicklung steht bevor?

Für viele Branchen wurde bereits eine genaue Prognose dazu abgegeben, wie sich der Prozess der Digitalisierung in den kommenden Jahren auf die Gestalt der Arbeit auswirken wird. Doch für den Weinbau mangelt es bislang an passenden Konzepten, die alle Beteiligten überzeugen und sogleich ein realistisches Abbild liefern könnten. Welche Entwicklung steht der Branche also in den kommenden Jahren noch bevor?

Die Automatisierung der Prozesse

Würden wir uns mit einem Weinbauer aus dem 19. Jahrhundert unterhalten, so würde schon dieser in der Produktion von heute eine klare Form der Digitalisierung erkennen. Denn bei vielen Prozessen ist es bereits gelungen, sie durch den Einsatz der technischen Hilfe effizienter zu gestalten. Bei vielen großen Winzern sind inzwischen Computerprogramme darüber im Bilde, welche Fässer das gewünschte Aroma bereits erreicht haben und wo der Prozess der Gärung noch weiter fortgesetzt werden muss. Es ist daher notwendig, von einer Form der Digitalisierung zu sprechen, wie sie auch in dieser Branche bereits Einzug gehalten hat.

Besonders bei der Verkostung des Weins wird es in Zukunft möglich sein, auf veränderte Prozesse zu setzen. So gibt es längst den Versuch, den Betrieb an einer Bar zu automatisieren. In Zukunft würde so eventuell gar kein Mensch mehr gebraucht werden, um den Wein in geeignetem Stil auszuschenken und die Gläser an die Gäste zu verteilen. Die heute noch sehr futuristisch anmutenden Konzepte könnten also bereits schon in den nächsten Jahren Schritt für Schritt umgesetzt werden.

Keine Übertragung des Know-hows

Gleichsam wird auch die Digitalisierung auf dem Gebiet des Weinbaus an ihre Grenzen stoßen. Denn um einen richtig guten Wein zu erzeugen, der selbst den Ansprüchen geschulter Gaumen gerecht werden kann, ist jede Menge Fachwissen notwendig. Viele Entscheidungen werden von den Profis in der Folge eher aus einem Gefühl heraus getroffen. Bis sich dieses auf ein Programm übertragen lässt, das dann dazu in der Lage ist, in einer ähnlichen Art und Weise zu handeln, werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen.

Die Winzer können sich bis zu diesem Zeitpunkt also Gewiss sein, dass keine Ersetzung in gleicher Form durch den Einsatz neuer Technik möglich ist. Auf der anderen Seite handelt es sich doch um einen Weg, der die Zukunft der Branche stützen könnte. Denn gerade Winzer mit kleinen Anbauflächen bekommen immer wieder den hohen wirtschaftlichen Druck zu spüren. Dieser zwingt sie dazu, entweder sehr hohe Preise für die Produkte zu verlangen, oder aber die eigene Gewinnspanne zu senken. Da der Einsatz der Technik stets die Chance bereithält, den Ertrag zu steigern und die dafür notwendige Arbeitskraft nicht weiter ansteigen zu lassen, handelt es sich auch auf diesem Gebiet um eine gelungene Alternative.

Die Wünsche der Kunden

Zudem scheint es gerade im Bereich des Weinbaus unwahrscheinlich, dass die Kunden mit dem zunehmenden Maß an Automatisierung einverstanden sein werden. Zu groß ist auf ihrer Seite der Wunsch, gerade die persönlichen Aspekte der Beratung, des Anbaus und des Verkaufs zu erhalten, in denen sie die eigentliche Seele des Weins erkennen. Während es demnach auf dem Bereich der Massenware zu einem Wandel durch den Trend der Digitalisierung kommen könnte, ist dies im höherklassigen Segment bis zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen. Viele Sorgen der Winzer, ihr eigener Berufsstand könnte unter der aktuellen Entwicklung über Jahre hinweg zu leiden haben, sind aus diesem Grund erst einmal unbegründet.

In welchem Ausmaß doch Veränderungen innerhalb des Weinbaus möglich sind, werden allerdings erst die kommenden Jahre zeigen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es also notwendig, sich darauf zu konzentrieren, die Entwicklung in die gewünschten Bahnen zu leiten, welche die in der Branche arbeitenden Menschen unterstützen.


 



Quelle: Bilder: Felix Russel-Saw; Milada Vigerova www.unsplash.com
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