Bayern als Weinland und Weinstadt: Vom fränkischen Silvaner zur urbanen Verkostungskultur
Weltweit wird mit Bayern eher Bier verbunden, es gibt aber im Freistaat eine der ältesten deutschen Weinregionen. Franken ist eines von dreizehn deutschen Anbaugebieten mit geschützter Herkunftsbezeichnung und ist nicht zuletzt auch seit Jahrhunderten für den bayerischen Weinbau prägend. In München hat sich daneben eine urbane Verkostungskultur entwickelt, die klassische Weinbautradition mit gastronomischer Vielfalt verbindet.

Bild: :fränkischer Wein, ein hochgenuss nicht nur für Weinliebhaber * unsplash Jens Meyers
Franken: Zahlen, Rebsorten und Herkunft
Nach Angaben des Fränkischen Weinbauverbandes umfasst das Anbaugebiet Franken rund 6.100 Hektar Rebfläche, verteilt auf etwa 3.500 Weinbaubetriebe. Damit rangiert die Region auf Platz sieben der deutschen Anbaugebiete. Kerngebiete sind das Maindreieck rund um Würzburg, das Maindreieck bei Volkach sowie der Steigerwald.
Prägend ist der Silvaner, der in Franken bereits 1659 erstmals urkundlich erwähnt wurde und heute etwa ein Viertel der Anbaufläche einnimmt. Weitere bedeutende Rebsorten sind Müller-Thurgau, Bacchus sowie zunehmend Burgundersorten. Der Weißweinanteil liegt bei rund 82 Prozent, wie dasDeutsche Weininstitut in seinen Jahresstatistiken ausweist.
Ein Erkennungsmerkmal ist der Bocksbeutel, eine bauchige Flaschenform, die seit 1989 als geschützte geografische Angabe für Weine aus Franken sowie einige badische Gemeinden reserviert ist. Wer die Verkostungskultur außerhalb der Anbauregion erleben möchte, findet in der Landeshauptstadt zahlreiche Formate, darunter eine kuratierte Weinprobe in München, bei der auch fränkische Gewächse regelmäßig vertreten sind.
Forschung und Ausbildung: Die Rolle der LWG in Veitshöchheim
Ein zentraler Faktor für die Qualitätsentwicklung im bayerischen Weinbau ist dieBayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau mit Sitz in Veitshöchheim. Die Einrichtung betreibt angewandte Forschung zu Klimawandel, pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWI) und Bodenbewirtschaftung. Zudem bildet sie Winzer, Techniker und Weinbautechniker in mehrjährigen Fachschulgängen aus.
Aktuelle Forschungsschwerpunkte betreffen die Anpassung an steigende Durchschnittstemperaturen. Laut Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes ist die Jahresmitteltemperatur in Unterfranken seit 1881 um mehr als 1,7 Grad Celsius gestiegen, was Auswirkungen auf Lesezeitpunkt, Zuckergehalt und Säurestruktur der Trauben hat. Fränkische Betriebe reagieren mit veränderten Erziehungsformen und der Einführung neuer Sorten wie Souvignier Gris oder Cabernet Blanc.
Verkostungskultur in München: Formate und Standards
München bildet seit Jahren einen Knotenpunkt für professionelle und private Weinverkostungen. Neben etablierten Fachmessen wie der ForumVini, die jährlich in der Messestadt Riem stattfindet, existieren zahlreiche Vinotheken, Weinbars und Verkostungsseminare. Viele Anbieter orientieren sich am Prüfschema der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), das Weine nach den Kriterien Geruch, Geschmack, Harmonie und Farbe auf einer Fünf-Punkte-Skala bewertet.
Für die fachliche Qualifikation sorgen Ausbildungsgänge derDeutschen Wein und Sommelierschule sowie Kurse des Weinakademiker-Programms nach WSET-Standard (Wine and Spirit Education Trust). Diese Zertifizierungen sind international anerkannt und werden auch in Münchner Weinhandlungen und Restaurants vermehrt nachgefragt.
Wirtschaftliche Bedeutung und Absatzstrukturen
Der Absatz fränkischer Weine erfolgt zu einem hohen Anteil regional. Nach Erhebungen des Fränkischen Weinbauverbandes werden rund 80 Prozent der Produktion innerhalb Bayerns vermarktet, ein signifikanter Teil davon in Großraum München. Die Direktvermarktung ab Hof, über Weinfeste und über regionale Handelspartner dominiert gegenüber dem überregionalen Fachhandel.
Diese kurze Wertschöpfungskette begünstigt kleinere und mittelständische Betriebe. Laut Agrarbericht des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus liegt die durchschnittliche Betriebsgröße in Franken bei rund 1,7 Hektar, was deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 6 Hektar liegt. Für Verkostungsanbieter in München bedeutet dies einen direkten Zugang zu Erzeugern und die Möglichkeit, kleinere Chargen und Einzellagen in ihre Programme aufzunehmen.
Wer sich mit bayerischer Weinkultur befasst, findet in der Verbindung aus fränkischer Tradition, wissenschaftlich fundierter Weinbauforschung und urbaner Verkostungsszene ein Beispiel dafür, wie regionale Erzeugung und städtische Nachfrage ineinandergreifen.
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